„Ich will gar nicht raus aus meiner Bubble“
Das hat neulich eine hart arbeitende Freundin zu mir gesagt und weiter: „Das ist mir viel zu anstrengend Bibi. Manchmal lässt es sich leider trotzdem nicht vermeiden: In der Bahn, im Taxi oder im Supermarkt. Dann setzte ich meine Kopfhörer auf – das schafft Distanz und ich habe meine Ruhe“.
In den Urlaub fährt sie mit Freund:innen aus ihrer Community, Feste werden auch im Kreise der Gleichgesinnten gefeiert. Ich frage: „Was machst du bei Familienfeiern?“ Bei denen kann man sich bekannterweise nicht aussuchen, wer noch eingeladen ist. Antwort: „Ich habe schon vor Jahren beschlossen, in der Familie nicht über Politik und meinen Beruf zu sprechen“. Nächste Frage: „Und wenn die Nachbarn zum Barbecue einladen?“ Antwort: „Da werde ich spontan krank oder schicke meinen Mann“.
Sie ist aus der Banker:innen Bubble, aber das spielt eigentlich keine Rolle.
Bubble bleibt Bubble. Mediziner:innen, Jurist:innen, CEOs, Unternehmer:innen, Start-Ups, Schauspieler:innen, Sportler:innen, Polizist:innen, Lehrer:innen, ….Gut, es gibt ein paar Professionen, durch die man auch öfter andersartige Spezies trifft wie Journalist:innen oder Politiker:innen, aber die sind in der Minderheit.
Ich verstehe meine Freundin und gleichzeitig finde ich es schade und es regt mich auch etwas auf.
Warum ich sie verstehe:
➡️ Das Weltgeschehen kann einen gerade mitnehmen, eigentlich der Zustand des Planeten insgesamt.
➡️ Da ist es wohltuend im vertrauten Habitat zu bleiben. Mit Vertreter:innen derselben Funktion oder derselben Firma oder derselben Branche, mit ähnlichen Werten, Ansichten und Zielen, Problemen, Erlebnissen und sehr ähnlichem Tagesablauf.
➡️ Es ist bequem, sich in der eigenen „Abkürzungsgeheimsprache“ zu unterhalten.
➡️ Neugierde auf Andersartigkeit braucht innere Ausgeglichenheit – keine Selbstverständlichkeit.
➡️ Gegenwind kann Energie erfordern, die fehlt oft im kräftezehrenden Alltag zwischen Job und Familie.
Warum ich es schade finde – und das ist eigentlich nichts Neues:
➡️ Uniformität behindert Kreativität, Perspektivenvielfalt ist extrem bereichernd, Diversität ist gold wert.
➡️ Der interdisziplinäre Austausch führt zu exponentiellem Erkenntnisgewinn und ist innovationsfördernd.
➡️ Abstand zur eigenen Bubble tut per se gut. Die berühmten anderen Gedanken und der frische Wind kommen von selbst – quasi kostenlose extra Energie.
➡️ Meistens ist es auch einfach super spannend und schnell sehr lustig, wenn man Menschen aus komplett anderen Welten trifft.
Meine Empfehlung, wenn ihr das nächste Mal eine Einladung bekommt, bei der es heißt: „Was die Wirtschaft von der Kunst lernen kann“ oder „Wissenschaft und Theater – unerkannte Synergien? Oder „Sport trifft Kultur“ oder es wird geworben mit „Es kommen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ oder ihr hört: „Es haben schon fast alle Nachbarn zugesagt“:
Geht hin! Es lohnt sich.
Zuerst auf LinkedIn veröffentlicht

