„Don’t be such a sensitive flower.“

Das hörte ich von einem Private-Equity-Vertreter, mitten in der Vorbereitung auf ein Investor-Meeting. Ich war als externe Advisorin dabei. Das Team hatte das gesamte Wochenende durchgearbeitet, alle hochmotiviert. Mein erster Gedanke: Hier geben alle alles. Muss das sein?

Letzte Woche dann ein komplett anderes Umfeld: „Bibi, hier sind alle sehr empfindlich. Wir müssen vorsichtig sein mit klaren Leistungserwartungen.“ So die Geschäftsführerin einer NGO.

Zwei Szenen, zwei Annahmen dahinter.

In der einen Welt heißt es: Hier muss man hart sein, das gehört dazu. In der anderen: Hier müssen wir vorsichtig sein, die Mitarbeitenden sind sensibel.

Ich halte beides für falsch. Nicht, weil Kontext keine Rolle spielt. Sondern weil beide Haltungen dasselbe Problem haben: Sie lassen das Umfeld den Führungsstil diktieren, statt ihn bewusst zu gestalten.

Was ich nach mehr als 20 Jahren in Führungsrollen für richtig halte:

➡️ Erwartungen müssen klar formuliert sein, immer und unabhängig vom Umfeld.
➡️ Entlang der Werte der Organisation, nicht entlang der Branchenklischees.
➡️ Angepasst an die aktuelle Situation des Unternehmens.
➡️ Mit konkretem Bezug auf die Aufgabe/das Problem.
➡️ Und abgestimmt auf die individuelle Person.

Ja, man muss die Geschichte einer Organisation verstehen. Die Prägungen, die Empfindlichkeiten. Aber verstehen heißt nicht, dass der bisherige Führungsstil immer der richtige war.

Wer im PE-Umfeld Respektlosigkeit für Führungsstärke hält, hat Führung nicht verstanden. Und wer in einer NGO klare Leistungserwartungen für eine Zumutung hält, auch nicht.

Die Frage ist nie, wie hart man sein darf. Sondern wie klar man führen will.

Zuerst auf LinkedIn veröffentlicht