„Das besprechen wir besser erst mal im kleinen Kreis.“
Diesen Satz höre ich in Führungsetagen ständig. Und dann folgen die nächsten: „Lass uns das Treffen morgen um 7 Uhr ansetzen.“ „Streng vertraulich.“ „Die Kollegen aus dem Marketing lassen wir erst mal außen vor.“
Meistens passiert das, wenn etwas Unerwartetes eintritt. Ein Krieg bricht aus, eine Klage flattert ins Haus, ein Produkt muss zurückgerufen werden, die eigene Studie floppt. Routinen und Meetingkalender sind dann zu langsam. Es muss schnell gehen.
Das Muster dahinter ist fast immer dasselbe: Der Reflex geht zu den Vertrauten. Den langen Wegbegleitern, dem inneren Zirkel. Nicht zu denen, die die Daten am besten interpretieren können. Nicht zu den Expert:innen, die die Situation einordnen könnten.
Ich verstehe den Impuls. In Drucksituationen will man Menschen um sich, denen man vertraut. Aber genau das führt dazu, dass Entscheidungen auf Loyalität statt auf Substanz basieren. Und dass diejenigen, die fachlich am meisten beitragen könnten, draußen bleiben.
Mein Rat aus über 20 Jahren in Führungsrollen: Think twice, bevor die Einladung rausgeht.
➡️ Welche Informationen brauche ich als Pre-Read?
➡️ Welche Perspektiven brauche ich am Tisch?
➡️ Wie zeitnah muss das Meeting sein?
➡️ Welche Entscheidungsträger müssen mindestens dabei sein?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, setzt unaufgeregt ein effektives Meeting auf. Und vermeidet die Irritationen, die entstehen, wenn hinterher viele fragen: Warum war ich nicht dabei?
Die besten Krisenmeetings, die ich erlebt habe, hatten selten den gemütlichsten Kreis am Tisch. Sie hatten den richtigen.
Zuerst auf LinkedIn veröffentlicht

